Startseite

 

Impressum

 

Autor

 

Die aquatischen Neophyten in Deutschland - Eine Übersicht

 
                       

Azolla filiculoides

Azolla mexicana

Cabomba caroliniana

Crassula helmsii

Egeria densa

Eichhornia crassipes

Elodea callitrichoides

Elodea canadensis

Elodea nuttallii

Hydrilla verticillata

Hydrocotyle ranunculoides

Hygrophila polysperma

Lagarosiphon major

Lemna aequinoctialis

Lemna minuta

Lemna turionifera

Ludwigia grandiflora

Myriophyllum aquaticum

Myriophyllum heterophyllum

Pistia stratiotes

Sagittaria latifolia

Sagittaria subulata

Salvinia auricualata agg.

Shinnersia rivularis

Vallisneria spiralis

 

Elodea nuttallii (Planchon) St. John, Nuttalls Wasserpest, Hydrocharitaceae

(Syn.: Elodea occidentalis (Pursh) St. John; Elodea minor Farw., Elodea canadensis var. angustifolia (Britton ex Rydb.) Farw., Anacharis nuttalli Planchon, Anacharis occidentalis (Pursh) Marie-Victorin; Serpicula occidentalis Pursh)

Beschreibung:

Bei Elodea nuttallii befinden sich die mittleren und oberen Blätter in 3 - (4) zähligen Wirteln. Die Blätter sind 6 - 13 (15) mm lang, 0,3 - 2 mm breit, linealisch bis schmal lanzettlich, dünn und schlaffer als bei E. canadensis. Die Blätter sind meist blaßgrün, locker gespreizt, überlappen sich nicht und sind oft in sich unregelmäßig gedreht, sie verschmälern sich zum Blattende in eine deutliche Spitze (Casper & Krausch 1980). Zwischen den violetten Knoten liegen die 0,2 - 3,7 mm langen Internodien. Die männlichen Knoten sind sitzend oder kurz gestielt und befinden sich einzeln in den Blattachseln. Die Blüten sind vor dem Aufblühen von einer eirundlichen, bis unter die Mitte 2geteilten, vorn 2spitzigen, durchscheinenden Spatha eingeschlossen. Die Blüten haben einen Durchmesser von 4 mm, lösen sich zur Reifezeit vom Stengel, schwimmen zru Wasseroberfläche und öffen sich dort. Die äußeren Perianthblätter sind außen grün, innen dunkelbraun mit einem grünem Saum. Die äußeren Perianthblätter sind 1,9 - 2,1 mm lang, 1,5 _ 1,7 mm breit und eiförmig, die inneren Perianthblätter sind nur etwa 0,5 mm lang, eilanzettlich und fehlen oft. Die Spatha der weiblichen Pflanzen ist (9) 10 - 15 (25) mm lang, schmal walzlich und oben 2-spitzig. Die weiblichen Blüten besitzen ein bis zu 9 cm langes Halsteil. Die äußeren Perianthblätter sind 1,1 - 2 mm lang, 0,5 mm breit und verkehrt eiförmig, die inneren Perianthblätter sind 1,3 mm lang, 1 mm breit und weiß (Casper & Krausch 1980).

Herkunft und Vorkommen weltweit:

Elodea nuttallii stammt ursprünglich aus Südostkanada und Nordamerika und ist dort im Gebiet vom Mississippibecken bis zur Ostküste verbreitet (St. John 1965). Als Neophyt hat die Art mittlerweile eine fast weltweite Verbreitung erreicht und im Zuge der Ausbreitung die einheimische Vegetation vielerorts stark zurückgedrängt.

Vorkommen in Europa:

In England gelang 1914 vermulich der erste Nachweis der Art in Europa, wobei die Pflanzen zuerst als Hydrilla verticillata bestimmt wurden (Bennet 1914 in Weber-Oldecop 1977). Der erste gesicherte Nachweis gelang hingegen erst 1974 (Chandler 1975 in Wolff 1980). Auf dem europäischen Kontinent wurden erstmals 1939 in Belgien (allerdings erst im Jahr 1955 als solches bestimmt) und 1941 in den Niederlanden weibliche Pflanzen der Art beobachtet und diese breiteten sich in der Folgezeit stark aus. Ob Elodea nuttallii dabei die ehemals weit verbreitete E. canadensis verdrängt hat, ist ungeklärt (Tremp 2001).

Erstnachweis in Deutschland:

Der Erstnachweis in Deutschland erfolgte im Jahr 1953 in Teichen des Botanischen Gartens in Münster (Wattendorf 1964), wo die Pflanzen aber wahrscheinlich angepflanzt wurden. 1961 erfolgte ein weiterer Nachweis im Vogtland, wobei allerdings auch hier (es handelte sich um männliche Pflanzen und diese können demnach nicht aus Belgien bzw. den Niederlanden stammen) davon ausgegangen werden muss, dass die Pflanzen angesalbt wurden (St. John 1965).

Verbreitung in Deutschland:

Die Art ist aktuell in allen Bundesländern anzutreffen.

Bevorzugte Siedlungsgewässer:

Die Art besiedelt alle Gewässertypen. Eine Präferenz für einen Gewässertypus ist in Deutschland nicht erkennbar.

Ökologie der Art:

Elodea nuttallii besiedelt oligo bis eutrophe Gewässer. Das Temperaturoptimum der Art liegt bei ca. 20-25°C. Über das Lichtoptimum der Photosynthese von Elodea nuttallii liegen unterschiedliche Angaben vor, was vermutlich an der unterschiedlichen Akklimatisierung an verschiedene Lichtbedingungen der in den verschiedenen Studien genutzten Pflanzen liegt.

Ausbreitung und Vermehrung:

Die Ausbreitung und Vermehrung der Art erfolgt in Deutschland rein vegetativ.

Möglichkeiten des Managements:

In den letzten Jahren wurde in verschiedenen Gewässern in Deutschland ein Management der Art betrieben (u.a. Stengert et al. 2008). Die eingesetzten mechanischen Verfahren (Mahd) erbrachten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Auch der Besatz mit Rotfedern erwies sich als nur wenig nützlich. In geschlossenen Gewässern werden nach Genehmigung auch Grasfische besetzt, die jedoch unselektiv alle Wasserpflanzenbestände in den betroffenen Gewässern dezimieren.

Literatur:

Angelstein, S. & Schubert, H. (2009): Light acclimatisation of Elodea nuttallii grown under ambient DIC conditions. Plant Ecology 202: 91-101.

Casper, S.J. & Krausch, H.D. (1980): Süßwasserflora von Mitteleuropa, Pteridophyta und Anthophyta, 1. Teil. Band 23, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 403 S.

Denys, L., Packet, J. & Van Landuyt, W. (2004): Neofyten in het Vlaamse water: signalement van vaste waarden en rijzende sterren. Natuur.focus 3(4): 120-128

Erhard, D. & Gross, E.M. (2006): Allelopathic activity of Elodea canadensis and Elodea nuttallii against epiphytes and phytoplankton. Aquatic Botany 85: 203–211.

Haeupler, H. (1974): Bericht vom Treffen der Regionalstellenleiter in Lathen/Ems am 28.-29.9.1974. Göttinger Floristische Rundbriefe 8: 113-117

Haeupler, H. (1975): Bericht vom zweitägigen Geländetreffen der Zentralstelle Bereich Nord in Lathen/Ems. Göttinger Floristische Rundbriefe 9: 107-109

Haeupler, H. & Schönfelder, P. (1975): Musterkarten zum Stand der floristischen Kartierung in der Bundesrepublik Deutschland, 2. Folge. Göttinger Floristische Rundbriefe 9: 96-105

Herr, W. (1985): Elodea nuttallii (Planch.) St. John in schleswig-holsteinischen Fließgewässern. Kieler Notizen 17: 1-8

James, C.S., Eaton, J.W. & Hardwick, K. (1999): Competition between three submerged macrophytes, Elodea canadensis Michx, Elodea nuttallii (Planch.) St. John and Lagarosiphon major (Ridl.) Moss. Hydrobiologia 415: 35-40

Kohler, A. (1995): Neophyten in Fließgewässern - Beispiele aus Süddeutschland und dem Elsaß. Schriftenreihe für Vegetationskunde (Sukopp-Festschrift) 27: 405-412

Kowarik, I. (2003): Biologische Invasionen – Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Stuttgart, Ulmer, 380 S.

Kundel, W. (1990): Elodea nuttallii (Planch.) St. John in Flußmarschgewässern bei Bremen. Tuexenia 10: 41-47

Nagasaka, M. (2004): Changes in biomass and spatial distribution of Elodea nuttallii (Planch.) St. John, an ivasive submerged plant, in oligomesotrophic Lake Kizaki from 1999 to 2002. Limnology 5: 129-139

Nagasaka, M., Yoshizawa, K., Ariizumi, K. & Hirabayashi, K. (2002): Temporal changes and vertikal distribution of macrophytes in Lake Kawaguchi. Limnology 3: 107-114

Ozimek, T., van Donk, E. & Gulati, R.D. (1993): Growth and nutrient uptake by two species of Elodea in experimental conditions and their role in nutrient accumulation in a macrophyte-dominated lake. Hydrobiologia 251: 13-18

Seehaus, A. (1992): Die Ausbreitung von Elodea nuttallii (Planch.) St. John in der Leinaue südlich von Hannover im Zeitraum von 1973 bis 1991. Floristische Rundbriefe 26 (2): 72-78

Simpson, D.A. (1984): A short history of the introcuction and spread of Elodea Michx in the British Isles. Watsonia 15: 1-9

Simpson, D.A. (1986): Taxonomy of Elodea in the British Isles. Watsonia 16: 1-14

Simpson, D.A. (1990): Displacement of Elodea canadensis Michx. by Elodea nuttallii (Planch.) St. John in the British Isles. Watsonia 18: 173-177

Stengert, M., Podraza, P., Weyer, K. van de (2008): Die Entwicklung von Elodea nuttallii (PLANCH.) ST. JOHN in den Ruhrstauseen in den Jahren 2006 und 2007 (unter dem Einfluss von Hochwässern im Frühjahr und Sommer). Deutsche Gesellschaft für Limnologie (DGL) - Tagungsbericht 2007 (Münster): 225-228.

St. John, H. (1965): Monograph of the genus Elodea (Hydrocharitaceae): Part 4 and summary. The species of eastern und central North-America. Rhodora 67: 1-35, 155-180

Tremp, H. (2001): Standörtliche Differenzierung der Vorkommen von Elodea canadensis Michx. und Elodea nuttallii (Planch.) St. John in Gewässern der badischen Oberrheinebene. Berichte des Instituts für Landschafts- und Pflanzenökologie 10: 19 - 32

Vöge, M. (1980): Elodea nuttallii (Planch.) St. John im Öjendorfer See in Hamburg. Kieler Notizen 12: 7

Vöge, M. (1994): Tauchbeobachtungen in Siedlungsgewässern von Elodea nuttallii (Planch.) St. John. Tuexenia 14: 335-342

Vöge, M. (1995): Langzeitbeobachtungen an Elodea nuttallii (Planch.) St. John in norddeutschen Seen. Floristische Rundbriefe 29 (2): 189-193

Vöge, M. (2003): Was macht Elodea nuttallii so erfolgreich gegenüber Elodea canadensis? Floristische Rundbriefe 37(1/2): 37-40

Wattendorf, J. (1964): Elodea nuttallii (Planch.) St. John im Teich des Botanischen Gartens zu Münster (Westf.). Natur und Heimat 24: 86-91

Weber-Oldecop, D.W. (1977): Elodea nuttallii (Planch.) St. John, eine neue limnische Phanerogame der deutschen Flora. Archiv für Hydrobiologie 79: 397-403

Weber-Oldecop, D.W. (1974): Elodea nuttallii (Planch.) St. John im Maschsee bei Hannover. Göttinger Floristische Rundbriefe 8: 63-64

Wiegleb, G. (1979): Die Verbreitung von Elodea nuttallii (Planch.) St. John im westlichen Niedersachsen. Drosera (79) 1: 9-14

Wolff, P. (1980): Die Hydrillae (Hydrocharitaceae) in Europa. Göttinger Floristische Rundbriefe 14: 33-56.